Kurzfassungen von Vorträgen auf der GeoTHERM 2011

Das komplette Kongressprogramm der GeoTHERM 2011 ist hier einsehbar. Besucher Europas größter Geothermiemesse, die am 24. und 25. Februar in Offenburg stattfindet, können sich auf interessante Vorträge zur Tiefen und Oberflächennahen Geothermie freuen. Die Kurzfassungen einiger Vorträge können wir Ihnen hier präsentieren.

  • 24.2.2011 | 12.30 – 13.00 | Kongress 1 | Marco Huwiler
    Das Geothermieprojekt St. Gallen
    Mit einer Zustimmung von beinahe 83% haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Stadt St. Gallen im November 2010 den Rahmenkredit von 159 Mio. CHF für das Geothermie- und Fernwärmeprojekt bewilligt. Im Herbst 2011 soll mit einer ersten Bohrung auf über 4000 Meter Tiefe geprüft werden, ob tatsächlich heißes Wasser in genügender Menge zur Verfügung steht. Beim hydrothermalen Doubletten-System wird mit einer zweiten Bohrung das abgekühlte Wasser in den Aquifer zurückgeleitet. Ergeben sich optimale Bedingungen – eine Förderrate von min. 50 l/s und eine Wassertemperatur von ca. 150 °C, so könnte auch die Stromproduktion realisiert werden. Die 3D-Seismik-Untersuchungen, welche vom Januar bis April 2010 stattgefunden haben, haben vor allem im Westen der Stadt St. Gallen großräumige Störungszonen erkennen lassen, bei welchen Aquifere vermutet werden. In St. Gallen ist eine kombinierte Wärme-Strom-Nutzung geplant. Ein Teil der gewonnenen Wärme soll direkt in das Fernwärmenetz geleitet werden. Der andere Teil soll für die Stromproduktion abgezweigt werden. Diese kombinierte Nutzung ist jedoch nur möglich, wenn genügend Wasser gefunden wird und dieses eine genügend hohe Temperatur aufweist. Diese beiden Faktoren lassen sich jedoch nicht im Voraus berechnen und darum kann erst nach Beendigung der Testphase der ersten Tiefbohrung gesagt werden, ob und in welchem Maß die gewonnene Wärme genutzt werden kann.
    Als Risiken werden neben dem Fündigkeitsresultat technische und geologische Ereignisse bei den beiden Bohrungen aufgelistet, wie Gestängebruch, Stabilitätsprobleme im Bohrloch oder unerwartete Gasführung sowie Beeinträchtigung des Grundwassers. Da die Tiefengeothermie eine neuartige Form der Energieproduktion darstellt, braucht es angemessene Informationsanstrengungen. Die Technik weckt zugleich Hoffnung aber auch Bedenken. Da die tiefe Geothermie in den Medien seit den Basler Erschütterungen Ende 2006 in einem schiefen Licht steht, wurde in St. Gallen intensiv an der Kommunikation der Bevölkerung gearbeitet. Diese reicht von der klassischen Öffentlichkeitsarbeit und der Nutzung von Printmedien, Radio und Internet usw. über eine Hotline, Bürgerveranstaltungen bis zu neutralen Dialogworkshops. Ein erster proaktiver Dialog war zu Beginn des Projekts erfolgreich verlaufen und stellte damit auch die Basis für das Berücksichtigen der Bedürfnisse unterschiedlicher Akteure sowie für die Aufnahme von brisanten Themen in der Öffentlichkeit, welche transparent und wiederkehrend erfolgten. Durch die Kontaktnahme des St. Galler Projektteams mit Geothermie-Verantwortlichen in Deutschland, Österreich und Fürstentum Lichtenstein werden in Zukunft auch grenzüberschreitende Gespräche sowie ein Datenaustausch möglich. Auch die Zusammenarbeit mit Energieversorgungsunternehmen (z.B. AXPO neue Energien) aus der Bodenseeregion stehen dabei im Vordergrund.als